Fatma Aydemir: Dschinns, Hanser

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. …

J. C. Vogt: Anarchie Déco, Fischer Tor

Babylon Berlin mit Magie: ein historischer Fantasy-Roman aus der Weimarer Republik. Das Leben im Berlin der Zwanzigerjahre gleicht einem Tanz auf dem Vulkan. Zumal sich die Magie auf der Straße und im Nachtleben breitmacht. Eine Frau verschwindet und taucht wenig später als Steinstatue wieder auf. Nazis machen mit einem aus dem Nichts beschworenen Adler Jagd auf politische Gegner, und selbst das Varieté fügt den ohnehin schon abgefahrenen …

Carmen Maria Machado: Das Archiv der Träume, Klett-Cotta/Tropen

Endlich scheint in den USA etwas in Bewegung zu geraten: Die gleichgeschlechtliche Ehe rückt in greifbare Nähe und Carmen Maria Machado stürzt sich in ihre erste große Beziehung zu einer Frau, die sich sehr bald als toxisch herausstellt. Kann man darüber schreiben, was wirklich passiert ist, und wenn ja, wie? Machado hat ihre Form gefunden. Mit jedem Kapitel durchschreitet sie ein anderes literarisches Topos: Gespensterhaus, Erotika, …

Svenja Leiber: Kazimira, suhrkamp

In Kazimira erzählt Svenja Leiber vom größten Bernsteinabbau der Geschichte. Im Aufstieg und Verfall der »Annagrube« und in ihrem Nachwirken im heutigen Russland spiegeln sich drängende Fragen: Woher rühren Hass und Gewalt? Was geschieht, wenn Leben für unwert erklärt wird? Die Frauen, denen der Roman einfühlsam über fünf Generationen folgt, entwerfen eine Gegenwelt - im Mittelpunkt: Kazimira und ihr Ringen um Selbstbestimmung. Das sagen wir: …

Hanya Yanagihara: Zum Paradies, Claassen-Verlag

Drei Jahrhunderte, drei Versionen des amerikanischen Experiments: In ihrem neuen Roman erzählt Hanya Yanagihara von Liebenden, von Familie, vom Verlust und den trügerischen Versprechen gesellschaftlicher Utopien. 1893, in einem Amerika, das anders ist, als wir es aus den Geschichtsbüchern kennen: New York gehört zu den Free States, in denen die Menschen so leben und so lieben, wie sie es möchten – so jedenfalls scheint es. Ein junger Mann, …

Carsten Tabel: Vier halbe Amerikaner, Marix Verlag

Christian, Dana, Franz und Mitch sind halbe Amerikaner. Als vaterlose Kinder deutscher Mütter und amerikanischer Soldaten identifizieren sich die vier Freunde auf tragikomische Weise mit dem Land der Väter, das sich aus Amerikaerzählungen, Hollywoodfilmen und eigenen fantastischen Vorstellungen zusammensetzt. Als Christian zu Beginn der Semesterferien unverhofft ein Sparbuch in die Hände fällt, bricht er kurzerhand alleine in die USA auf. Um …

Candas Jane Dorsey: Drag Cop, suhrkamp

Was auf den ersten Blick wie ein mieser kleiner Straßenmord aussah, entpuppt sich bald als ein 'Kollateralschaden' extremer krimineller Machenschaften … Das sagen wir: »Die namenlose (pansexuelle) Ich-Erzählerin, ehem Sozialarbeiterin steckt in argen Geldsorgen, als sie von einer Freundin um Hilfe gebeten wird, den Mord an deren Enkelin Maddy näher zu untersuchen. Es gibt gute Gründe, der Sorgfalt der kanadischen Polizei zu misstrauen, für die …

C Pam Zhang: Wie viel von diesen Hügeln ist Gold, S.FIscher

Mit einer Pistole in den Händen und der Leiche des Vaters auf dem Rücken des Pferdes sind die chinesischen Waisenkinder Lucy und Sam auf der Flucht durch die Prärie. Amerika ist ein unbarmherziges Land, von Bisonknochen übersät und dem Goldrausch verfallen. Die Geschwister wollen den Vater gemäß dem chinesischen Ritual begraben – mit zwei Silberdollars auf den Augen. Nur auf diese Weise kann Ba nach Hause finden. Doch wo in dieser fremden Welt …

Sergei Tretjakow: Fakten / Räume – Reiseskizzen 1925–1937, Spector Books

Sergei Tretjakow zählt als Literaturtheoretiker zu den führenden Vertretern der linken Kunst-Avantgarde. Dass er daneben auch einer der aktivsten literarischen Kartographen der frühen Sowjetunion und seiner asiatischen wie europäischen Nachbarn war, ist kaum bekannt. Beginnend mit einem anderthalbjährigen Aufenthalt in Peking 1925/1926 publiziert Tretjakow über den Verlauf eines Jahrzehnts elf Sammelbände mit Reiseskizzen und mehr als hundert …

Nguyễn Phan Quế Mai: Der Gesang der Berge, Insel

Hu'o'ng wächst bei ihrer Großmutter auf, mitten im vom Krieg gebeutelten Hanoi der frühen 1970er Jahre. Der Vater ist auf den Schlachtfeldern verschollen, ihre Mutter folgte ihm in der Hoffnung, ihn zu finden. Und die Großmutter erzählt Hu'o'ng an den vielen langen Abenden die Geschichte ihrer Familie, eine Geschichte, die in Frieden und Wohlstand ihren Anfang nimmt, aber im Zuge fremder Besatzung, Landreform und Krieg eine Geschichte von …

Hannelore Cayre: Die Alte, Argument/Ariadne

Patience Portefeux hatte allen Grund, an eine sorglose Zukunft voller Kaviar, Zuckerwatte und farben­frohem Feuerwerk zu glauben. Doch dann stand sie als junge Witwe mit zwei Töchtern da und hält sich seither über Wasser, indem sie fürs Drogen­dezernat abgehörte Telefonate aus dem Arabischen übersetzt - ein prekärer Job, schwarz bezahlt vom Justiz­ministerium. Jetzt, mit 53, hat ­Patience obendrein die Kosten für den Pflegeheimplatz ihrer Mutter …

Emine Sevgi Özdamar: Ein von Schatten begrenzter Raum, suhrkamp

Nach dem Putsch 1971 hält das Militär nicht nur das Leben, sondern auch die Träume der Menschen in der Türkei gefangen. Künstlerinnen und Künstler, Linke, Intellektuelle fürchten um ihre Existenz; auch die Erzählerin, die aus Istanbul übers Meer nach Europa flieht. Im Gepäck: der Wunsch, Schauspielerin zu werden, und das unbedingte Verlangen, den so jäh gekappten kulturellen Reichtum ihres Landes andernorts bekannt zu machen und lebendig zu …

Barbi Marković: Die verschissene Zeit, Residenz Verlag

Belgrad, 1995: Marko, seine Schwester Vanja und Kasandra aus der Roma-Siedlung leben im „riesigen psychowirtschaftlichen Desaster“ der 90er-Jahre – einem Teufelskreis aus Armut, Gewalt, Inflation, Drogen und neuen Technologien. Doch gibt es in diesem genialen Roman auch Gangs und Dealer, einen verrückten Wissenschaftler und eine Zeitmaschine, eine Balkan-Pop-Ikone und schrägen Sex, es gibt Bombardements und Zerstörung, aber auch Musik und …

Chris Kraus: Aliens & Anorexie, Matthes & Seitz

Ende der 1990er-Jahre fliegt Chris Kraus, die Figur dieses Romans, nach Berlin, um ihren Film »Gravity & Grace« auf einem Festival zu zeigen. Nicht auf der Berlinale natürlich, die das Filmprojekt über Hoffnung, Verzweiflung und quasireligiöse Ekstase nicht annehmen wollte, sondern nur auf einem kleinen Festival, für das sich niemand interessiert. Chris ist gescheitert. In ihrem Liebesleben sowieso, jetzt noch in ihrer Kunst und bald sicher …

Hannes Köhler: Götterfunken, Ullstein Verlag

Sie nennen sich der Spanier, der Franzose und der Alemán. Toni, Germain und Jürgen treffen sich Mitte der 70er Jahre in Barcelona, entschlossen, Widerstand gegen das faschistische Franco-Regime zu leisten. Sie planen eine Aktion, der Anschlag gelingt. Doch jemand muss sie verraten haben. Germain kann fliehen, Toni wird festgenommen und verurteilt. Und Jürgen? Viele Jahre später meint Toni den Deutschen auf der Hochzeit seiner Tochter gesehen zu …

Enrico Ippolito: Was rot war, rowohlt

In seinem literarischen Debüt erzählt Enrico Ippolito das Schicksal zweier Frauen: vereint im Kampf um politische ideale, entzweit durch einen unverzeihlichen Verrat. Cruci blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Ihre große Liebe ist fort, ihr Sohn Rocco aus dem Haus, die Kommunistische Partei Italiens lange zerschlagen. Da ereilt Cruci die Nachricht vom Tod ihrer Freundin Lucia. Ende der siebziger Jahre lernten sich die beiden auf der …

Attica Locke: Black Water Rising, Polar Verlag

Jay Porter, ein Anwalt mit einer Strip-Mall-Kanzlei, mietet am Geburtstag seiner schwangeren Frau Bernie einen Kahn und nimmt sie mit auf eine Mondscheinfahrt. Plötzlich hören sie Schreie, Schüsse, sehen wie ein Körper aufs Wasser trifft. Porter eilt zu Hilfe, rettet eine verängstigte Frau aus dem Bayou und bringt sie zur Polizeistation. Die er allerdings nicht betritt, da er schwarz und die Frau weiß ist. In seiner Jugend war er ein …

Robert Kurz: Robert Kurz Der Kollaps der Modernisierung, Edition Tiamat

Das Buch ist im September 1991 als 82. Band der Anderen Bibliothek erschienen, also vor genau 30 Jahren. »Soviel Ende war nie.« Mit diesem Satz beginnt eine furiose Analyse der Welt- ökonomie am Ende des 20. Jahrhunderts. Und was niemand mehr für möglich gehalten hätte: die theoretische Keimzelle, aus der Robert Kurz seine Auseinandersetzung entwickelt, ist die politische Ökonomie eines gewissen Karl Marx. Es ist verblüffend zu sehen, welche …

Vivien Goldman: Die Rache der She-Punks, Ventil Verlag

Da die Geschichtsschreibung von Punk eine überwiegend männliche ist, war eine »Rache der She-Punks« längst überfällig. Verfasst wurde diese feministische Abrechnung von keiner geringeren als der Post-Punk-Pionierin Vivien Goldman, die aufgrund ihrer Arbeit als Musikerin und Musikjournalistin eine Insider-Perspektive besitzt. Entlang vier Themenfeldern – Identität, Geld, Liebe und Protest – begibt sich die »Punk-Professorin« auf die Suche nach …

Henning Trüper: Seuchenjahr, August Verlag

„Theorie“ spricht gerne im Präsens. Allein, es handelt sich um ein unechtes Präsens, das über der Zeit zu stehen beansprucht. Die Ausnahmesituation der Pandemie lädt dazu ein, dieses Präsens zu überdenken und die unvermeidlichen Bindungen der Theorie an gegenwärtiges Geschehen sichtbar zu machen. Durch die klaustrophobische Situation des Lockdown ist eine unheimliche Korrelation von Theorie und Phobie kenntlich geworden. Beide suchen …

Anna Haifisch: The Artist: Ode an die Feder, Reprodukt

Im Leben von The Artist hat sich vieles verändert. Er ist jetzt maximal erfolgreich, hat Museumsausstellungen und ist wohlhabend, kurz: Er hat alles, was er sich immer gewünscht hat. Und doch ist sein Leben ein einziges Drama, denn er ist eben immer noch ein weinerlicher, sensibler Künstler. Er fühlt sich vom Kunstmarkt ausgenommen, seine Liebe verlässt ihn und er trauert seiner Schaffenszeit in Armut hinterher. Ein Dasein zwischen Größenwahn …

Danielle De Picciotto: Die heitere Kunst der Rebellion, Walde + Graf

Der Mauerfall kam plötzlich und unerwartet und in den darauffolgenden Jahren war Berlin eine der verrücktesten Städte des Erdenrunds. Sie bot Freiräume und unzählige Möglichkeiten der Entfaltung und zog Menschen aus aller Welt an. Danielle de Picciotto kam 1987 nach Berlin. Schnell wurde sie zu einem Berliner IT-Mädchen, Sängerin der Space Cowboys, Künstlerin und Designerin, in allen hippen Clubs arbeitend und Zuhause. So eroberte sie die Stadt …

Bianca Schaalburg: Der Duft der Kiefern, Avant-Verlag

In "Der Duft der Kiefern" taucht die Berliner Autorin in ihre Kindheit ein und stößt dabei auf Verdrängung und Lügen. Was hat ihr Großvater Heinrich, angeblich als Buchhalter bei der Wehrmacht in Riga stationiert, von den Gräueltaten der Nazis gewusst? War er vielleicht selbst beteiligt? Bald stellt sich die Frage nach der Mitschuld ihrer Familie. Sie erfährt, dass diese in einem Haus lebte, das ehemals von jüdischen Mitbürgern bewohnt war. Hat …

Matthias Lehmann: Parallel, Reprodukt

Karl Klings Geschichte ist eine Offenbarung. Eine Offenbarung gegenüber seiner Tochter Hella, die viele Jahre zuvor den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Karls Brief an sie ist nichts weniger als der Versuch, ihr jenen Unbekannten vorzustellen, der ihr Vater ist, ihr jedoch nie ein Vater zu sein vermocht hatte. Im Rückblick auf sein Leben erfahren Hella und die Leser:innen von Karls gescheiterten Ehen, zerrütteten fami- liären Beziehungen - und …