Hervé Guibert: Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat, August Verlag

Hervé Guibert, Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat
In erschütternder Klarheit schildert Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat die Erfahrung einer Aids-Diagnose in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Wir folgen dem Erzähler von einem Arzttermin zum nächsten. Wir erfahren vom Fortschreiten der Krankheit, den Reaktionen der Freunde und Freundinnen und immer wieder von den Versprechen auf Heilung, an die sich der Erzähler klammert, wie von der tiefen Verzweiflung, in die ihn ihre …

Sasha Marianna Salzmann: Im Menschen muss alles herrlich sein, suhrkamp

Sasha Marianna Salzmann, Im Menschen muss alles herrlich sein
Wie soll man »herrlich« sein in einem Land, in dem Korruption und Unterdrückung herrschen, in dem nur überlebt, wer sich einem restriktiven Regime unterwirft? Wie soll man diese Erfahrung überwinden, wenn darüber nicht gesprochen wird, auch nicht nach der Emigration und nicht einmal mit der eigenen Tochter? »Was sehen sie, wenn sie mit ihren Sowjetaugen durch die Gardinen in den Hof einer ostdeutschen Stadt schauen?«, fragt sich Nina, wenn sie …

Dietmar Dath: Gentzen oder: Betrunken aufräumen, Matthes & Seitz

Dietmar Dath, Gentzen oder: Betrunken aufräumen
Der deutsche Logiker Gerhard Gentzen zählte zu den genialsten seines Fachs. Doch wer erinnert sich an ihn? Dietmar Dath macht sich in diesem erstaunlichen, mitreißenden Roman mit Laura und Jan auf die Suche nach jemandem, an den sie sich nicht mehr erinnern. Der Leser betritt einen Denkraum, in dem nicht nur Gerhard Gentzen aufritt, sondern auch noch ganz andere Figuren: Dietmar, der seit zehn Jahren an einem Roman über einen berühmten Logiker …

Adelheid Duvanel: Fern von hier, Limmat Verlag

Adelheid Duvanel, Fern von hier
Adelheid Duvanel ist eine Meisterin der kleinen Form. Die radikale poetische Kraft ihrer Sprache macht sie zu einer der bedeutendsten Stimmen der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihre kurzen Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben von meist versehrten Existenzen, die sich aber in ihren fatalen Verhältnissen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen. In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihrer Sicht der Welt bewahren sie sich ihre …

Leïla Slimani: Das Land der Anderen, Luchterhand

Leïla Slimani, Das Land der Anderen
Mathilde, eine junge Elsässerin, verliebt sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Amine Belhaj, einen marokkanischen Offizier im Dienst der französischen Armee. Die beiden heiraten und lassen sich in der Nähe von Meknès nieder, am Fuß des Atlas-Gebirges, auf einem abgelegenen Hof, den Amine von seinem Vater geerbt hat. Während er versucht, dem steinigen Boden einen kargen Ertrag abzutrotzen, zieht Mathilde die beiden Kinder groß. Voller …

Gabriele Tergit: So war's eben, Schöffling + Co.

Gabriele Tergit, So war's eben
Noch einmal einen großen Roman schreiben - das war, nach den »Effingers«, Gabriele Tergits größter Wunsch. Dieser Roman »So war's eben«, der jetzt erstmals aus dem Nachlass der Autorin erscheint, erzählt das Durchschnittsleben von reichen und bescheidenen Familien in der Zeit von 1898 bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Während die Geschicke der Familien ihren Lauf nehmen, tobt der Erste Weltkrieg, die Weimarer Republik mit …

Koschka Linkerhand: Ein neuer, ein ganz anderer Ort, Querverlag

Koschka Linkerhand, Ein neuer, ein ganz anderer Ort
Irgendwann im 18. Jahrhundert, irgendwo in den Appalachen in einer puritanischen Missionsgemeinde behauptet eine Pfarrersfrau, einst Pirat gewesen zu sein. Anne Burleigh sagt es nicht laut, sondern leise, nur für sich - während kein Weg aus ihrem arbeitsreichen Alltag in dem viel zu kalten Landstrich führt. Miss Cleave, die Lehrerin ihrer Kinder, ermutigt Anne, sich die Dinge übers Lesen und Erzählen anzueignen. Können Buchstaben tatsächlich …

Octavia E. Butler: Wilde Saat, Heyne

Octavia E. Butler, Wilde Saat
Doro ist ein Unsterblicher, der seit der Zeit der Pharaonen auf unserer Welt ist. Er beherrscht die Fähigkeit, menschliche Körper zu übernehmen, so meisterhaft, dass er nicht getötet werden kann. Seit tausend Jahren greift Doro immer wieder in die Geschicke eines kleinen afrikanischen Dorfes ein. Er entscheidet, wer mit wem Kinder zeugen darf, um so einen perfekten Menschen zu züchten. Doch eines Tages verwüsten Sklavenhändler sein Dorf und …

Stuart Hall: Schriften, Argument Verlag

Stuart Hall, Schriften
Stuart Hall befasst sich mit Medien- und Massenkultur, mit der Neuen Rechten und Rassismus, mit marxscher Theorie und kritischen Analysen linker Politik. Er entwickelte die bisherigen Grundlagen der Cultural Studies und setzte sich mit Fragen der Postmoderne, der Globalisierung und der kulturellen Identität auseinander. In seinen Untersuchungen zur Kulturpolitik geht er auf den Spuren von Gramsci, Althusser und Derrida der Komplexität und …

Natascha Strobl: Radikalisierter Konservatismus, suhrkamp

Natascha Strobl, Radikalisierter Konservatismus
Von der Krise der Sozialdemokratie ist allerorten die Rede. Doch auch viele traditionsreiche Mitte-rechts-Parteien befinden sich im Niedergang oder zumindest in einer Zwickmühle: Sollen sie sich für progressive urbane Milieus öffnen? Oder lieber ihr konservatives Profil schärfen? Während Angela Merkel für das eine Modell steht, repräsentieren Politiker wie Donald Trump oder Sebastian Kurz das andere. Sie sind Vertreter eines radikalisierten …

Dirk Braunstein, Christoph Hesse: Schiffbruch beim Spagat, ça ira Verlag

Dirk Braunstein, Christoph Hesse, Schiffbruch beim Spagat
»Unerschöpflich der Vorrat des Dummdeutschen, der sich in wissenschaftlichen oder parawissenschaftlichen Publikationen findet«, warnte Eckhard Henscheid in einem bereits 1985 erschienenen und in späteren Auflagen stetig erweiterten Wörterbuch, das dem vorliegenden von ferne Modell steht. Geschöpft wird hier allein aus dem Vorrat der Wissenschaften, die herkömmlich solche des Geistes oder der Gesellschaft und inzwischen lieber …

Thomas Ebermann: Störung im Betriebsablauf, Konkret Literatur Verlag

Thomas Ebermann, Störung im Betriebsablauf
»Mein Ausgangspunkt bleibt, dass dem >Plan< des deutschen Staates ein notwendiges kapitalistisches Kalkül zugrunde liegt, nämlich das Ausbalancieren von akzeptierten Opfern und die Vermeidung einer >zu hohen<, das nötige Reservoir der Ware Arbeitskraft beeinträchtigenden Zahl von Infektionen - bei Erhalt der Loyalität gegenüber dem Staat sowie seinem regierenden und konstruktiv-oppositionellen Personal selbstverständlich.« Mit diesem …

Franziska Benkel: "Wir haben nichts mehr zu verlieren ... nur die Angst!", Orlanda

Franziska Benkel, "Wir haben nichts mehr zu verlieren ... nur die Angst!"
Die Situation von Frauenhäusern wurde seit Beginn der Pandemie in einer medialen Breite besprochen, wie wahrscheinlich seit Mitte der 1970er nicht mehr. Franziska Benkel rekonstruiert in "Wir haben nichts mehr zu verlieren - nur die Angst" die Entstehungsgeschichte des ersten Frauenhauses in Westberlin und der Bewegung in Deutschland. Das Buch überzeugt durch die dichte Abbildung der Verhandlungen, Gespräche und Kämpfe zwischen Akteur*innen der …

Lina Ehrentraut: Melek + ich, Edition Moderne

Lina Ehrentraut, Melek + ich
Nici ist Wissenschaftlerin und betrinkt sich gern in der Bar nebenan. Heimlich baut sie Melek - einen Körper nach ihrer Wunschvorstellung - und eine Maschine, mittels derer sie in parallele Dimensionen reisen kann. In einer dieser anderen Dimensionen begegnet sie in Meleks Körper Nici - also sich selbst - und geht mit ihr eine Beziehung ein. Lina Ehrentraut vereint in ih­rem Début dringliche und aktuelle Themen wie Selbst­liebe und ­-hass, …

Guy Delisle: lehrjahre, Reprodukt

Guy Delisle, lehrjahre
Shenzhen, Pjöngjang, Birma, Jerusalem und nun Québec… Guy Delisle nimmt uns mit auf eine Reise in seine Jugend. In seiner kanadischen Heimat arbeitete er als Student drei Sommer lang in einer Papierfabrik: zwölf-Stunden-Schichten in einem heißen, lauten Gebäude voller obskurer Maschinen. Zwischen den gigantischen Papierwalzen konnte da schnell ein Finger oder eine Hand verschwinden, und wenn man nicht aufpasste, war das Papier für eine gesamte …

Daniel Clowes: Ghost World, Reprodukt

Daniel Clowes, Ghost World
Die 90er. Irgendwo in den USA. Ein Städtchen wie jedes andere: Shopping Malls, Sexshops und Fast Food Restaurants. Die Zeit steht still, seit die beiden unzertrennlichen Freundinnen Enid und Rebecca ihren College-Abschluss gemacht haben. Ihre Langeweile vertreiben sie sich damit, sich über ihre ehemaligen Mitschüler lustig zu machen und fantastische Zukunftspläne zu schmieden. Und obwohl sie eigentlich "nur so rumhängen", ist am Ende des Sommers …

Dmitrij Kapitelman: Eine Formalie in Kiew, Hanser

Dmitrij Kapitelman, Eine Formalie in Kiew
"Eine Formalie in Kiew" ist die Geschichte einer Familie, die einst voller Hoffnung in die Fremde zog, um ein neues Leben zu beginnen, und am Ende ohne jede Heimat dasteht. Erzählt mit dem bittersüßen Humor eines Sohnes, der stoisch versucht, Deutscher zu werden. Dmitrij Kapitelman kann besser sächseln als die Beamtin, bei der er den deutschen Pass beantragt. Nach 25 Jahren als Landsmann, dem Großteil seines Lebens. Aber der Bürokratie ist keine …

Dilek Güngör: Vater und ich, Verbrecher Verlag

Dilek Güngör, Vater und ich
Als Ipek für ein verlängertes Wochenende ihren Vater besucht, weiß sie, dass er auf dem Bahnhofsplatz im Auto auf sie warten und sie nicht am Zug empfangen wird. Im Elternhaus angekommen sitzt sie in ihrem früheren Kinderzimmer, hört ihn im Garten, im Haus, beim Teekochen. Die Nähe, die Kind und Vater verbunden hat, ist ihnen mit jedem Jahr ein wenig mehr abhandengekommen, und mit der Nähe die gemeinsame Sprache. Ipek ist Journalistin, sie hat …

Shida Bazyar: Drei Kameradinnen, KiWi

Shida Bazyar, Drei Kameradinnen
In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart - und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem …

Ulrike Edschmid: Levys Testament, suhrkamp

Ulrike Edschmid, Levys Testament
In Berlin haben sie sich kennengelernt, in London werden sie ein Paar. Ihre Tage verbringen sie im Gerichtssaal des Old Bailey, um Anarchisten zu unterstützen, denen drakonische Haftstrafen drohen. Streiks, Hausbesetzungen, Anschläge der IRA und die harten Reaktionen der Regierung bestimmen den Alltag im Winter 1971. Schwerelos wie im Traum erkunden die beiden die Stadt. Über seine jüdische Familie weiß der Engländer (wie die Erzählerin den …