Richard Schuberth: Vom Antisemitismus, der keiner sein will, Edition Tiamat
Immer wieder knöpft sich der Wiener Dichter und Gesellschaftskritiker Richard Schuberth identitätspolitische Diskursmoden vor. Deren israelfeindliche Exzesse seit dem 7. Oktober 2023 führten ihn zu den psychologischen und historischen Wurzeln des israelbezogenen Antisemitismus und der Frage nach der Scheidelinie zwischen berechtigter Antisemitismusdiagnose und Diffamierung. In Form des literarischen Essays, der Analyse mit Witz und Sprachfantasie legiert, ergründet er dieses Minenfeld der ideologischen Verzerrungen, die ihm aus seiner eigenen Biografie nur zu vertraut sind. Er ruft dabei auch seinen einstigen Antisemitismus als junger Marxist sowie seinen Kulturrelativismus als junger Ethnologiestudent in den Zeugenstand. Worin besteht dieser neue Antisemitismus? Und wie neu ist er wirklich? Und wie lässt sich Kurs halten zwischen der Kritik antisemitischer Wahnbildung und Verständnis für Leid und Anliegen von Israelis und Palästinensern? Diesen Fragen geht Schuberth nach.
»Richard Schuberth gelingt es auf beeindruckende Weise den aktuellen Judenhass zu sezieren. Statt einer bloßen Aneinanderreihung von Fakten und politischen Analysen (die natürlich ebenfalls wertvoll und wichtig sind) bekommt man eine essayistische, literarisch herausragende Auseinandersetzung mit dem um sich greifenden Wahn. Beim Lesen fühlte ich mich immer wieder an Wolfgang Pohrts treffender Kritik der deutschen Friedensbewegung erinnert. Wie Pohrt geht auch Richard Schuberth, bei aller notwendigen polemischer Zuspitzung, nie die Empathie für die Opfer der herrschenden Verhältnisse verloren.« (Stefan Dietl)
»Dem wissenzersetzenden Diskurs, der Homogenisierung anstrebt, kann mit Differenzierung und Tonnen an Wissen begegnet werden. Die Lektüre des Buchs bietet dazu eine hervorragende Möglichkeit – die zudem jenen, die Schuberths Sprachakrobatik und Kopfsalti lieben, trotz der Heftigkeit des Inhalts, Vergnügen bereiten wird.« (Lisa Emanuely, Faust Kultur)